Schritt für Schritt

09. Februar 2010

Gehe große Probleme mit großer Leichtigkeit an.  Kleinere Probleme dafür umso ernster.

Man mag es nicht glauben, aber meine Erfahrungen zeigen doch immer wieder, dass es einem gut tut, sich an dieses Schema zu halten. Nicht nur, dass kleinere Erfolge einem immer ein bisschen aufbauen und die Motivation wieder herstellen um das nächste Problem anzugehen. Es ist auch so, dass große Probleme meist nicht direkt durch einen selbst beeinflussbar sind, sondern nur indirekt.

Ich möchte dieses alte Thema aufgrund meines aktuellen kleinen Erfolges heute erneut ansprechen und ein bisschen erweitern. Mich plagen seit der Aufnahme meiner aktuellen Tätigkeit zwei Probleme, ein großes, und ein verhältnismäßig kleines, letzteres konnte gelöst werden.

Vor vier Monaten wurde mir das Wort gegeben, dass mein Arbeitsplatz nur eine Übergangslösung sei (die physische Sitzposition, im Durchgang zwischen zwei Büros). Da ich dieses kleine Problem nicht beachtet habe, hat sich auch exakt gar nichts daran getan. Ein Wort wird wohl schnell gegeben – und genausoschnell wieder vergessen. Nach vier Monaten habe ich mich besinnt und des Problems selbst angenommen. Erst versucht höflich die hierarchischen Strukturen des Unternehmens einzuhalten – was erfolglos war und fast zwei Wochen Zeit kostete. Dann mit wesentlich mehr Nachdruck und deutlicherem Ton über die hierarchischen Strukturen hinweg. Was nach nur wenigen Tagen zu einem Erfolg führte. Ein Beweis dafür, dass es vorher schlichtweg nicht als Nötig erachtet wurde sich an sein Wort zu halten – denn offenbar waren die Hindernisse die ganze Zeit über nicht real vorhanden sondern nur vorgeschoben.

Jedenfalls kann ich mich nun an meinem Arbeitsplatz wesentlich entspannter fühlen und noch mehr auf die Arbeit konzentrieren – was sich nebenbei Bemerkt indirekt positiv auf mein größeres Problem auswirken wird.

Als Randnotiz: Menschen die leichtfertig ihr Wort geben, und es danach vergessen haben keinen Respekt von mir zu erwarten – gleich in welcher Position sie sich befinden, im Gegenteil, je höher die Position der Person, umso wichtiger sollte ein Wort von ihr sein.

Wenn ihr ein für euch kleines Problem gelöst haben wollt, müsst ihr es energisch angehen, da die anderen Beteiligten dieses sonst auch als kleines Problem ansehen und es in der Prioritätenliste ganz weit nach unten schieben, oder gar verdrängen. Wenn den anderen Beteiligten euer energischer Ansatz auffällt, wird dieses kleine Problem jedoch plötzlich zum Dorn im Rücken. Unangenehm, jedoch schnell zu beseitigen. Der leichteste Ausweg wird da ganz deutlich.

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Stadt der Träume

05. November 2009

Manchmal braucht man einen guten Grund um die gewohnte Umlaufbahn zu verlassen und mal etwas abseits des alltäglichen zu unternehmen.

Vor kurzem kam wieder solch ein Grund und riss mich mit der kurzen Vorlaufzeit von zwei Tagen aus meinem noch nicht wieder gefestigten Alltag meines neuen Berufslebens. Es waren Karten für die neue Vorstellung des GOP-Variete in Essen, welche für meine Liebste und mich bereitgestellt wurden.

Das verlassen der bekannten Umlaufbahn war an diesem Abend sogar sehr stürmisch, da ich mich nicht in den gewohnten zähfließenden Verkehr der A40 einfädeln konnte, mit dem ich inzwischen rechnen kann um von der Arbeit Heim zu kommen, sondern von Bochum aus Quer durch Gelsenkirchen bis in den Kreis Recklinghausen – oder einfach mit der Blechlawine durch die Betonwüste stottern bis das Navi die befreienden Worte von sich gibt: “Sie haben Ihr Ziel erreicht.”. Auf dem Heimweg noch schnell etwas nahrhaftes besorgt und in windeseile heruntergewürgt, dann schon wieder los, Treffpunkt und auf zum GOP. Nur um eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung anwesend zu sein und warten zu dürfen. Immerhin in Gesellschaft und mit Ausblick auf einen weniger stressigen Abend.

Da ich das Negative schon angefangen habe zu betonen, im Saal des GOP ist es eng, Besucher sollten keine Angst davor haben mit dem Tischnachbarn und den Nachbarn vom Nebentisch in Berührung zu kommen, etwa zwei Tische pro Reihe weniger könnten fremde zumindest außerhalb der privaten-Näherungszone (bei West-europäern etwa 60cm) halten. Man sitzt seitlich zur Bühne, was je nach Tischseite und Saalseite zur einer recht starken Verdrehung des Torso führen kann, wenn man die Bühne im Blick behalten möchte.

Dafür überzeugt das Programm. Stadt der Träume ist eine leichte Rahmenhandlung, die nicht vieler Worte benötigt und durch die kleinen Szenen zwischen den einzelnen Darbietungen besteht. Die einzelnen Darbietungenwerden dadurch nicht komplett eingebunden, aber es wirkt wesentlich wärmer als vergleichsweise lieblos aneinandergereihte Vorführungen.

Vom Programm möchte ich auch nicht allzu viel verraten, aber ich kann es jedem empfehlen, der einen mürrischen Zauberer, ergeizige jongleure und Artisten und lustige Clowns (nicht die mit den roten Nasen) sehen und sich für ein paar Stunden in eine kleine Stadt voller schöner Träume entführen lassen mag.

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Arbeiten – nicht für Lau!

01. Oktober 2009

So schnell vergeht die Zeit und heute hatte ich meinen ersten Arbeitstag bei dem Handwerksbetrieb von dem ich vor kurzem berichtet hatte.

Nach einem kurzen Briefing von ca einer halben Stunde saß ich alleine vorm PC, da meine Kontaktperson seinen nächst höheren Ersetzen musste, da dieser wieder von seinem nächst höheren gerufen wurde.

Immerhin waren wir schon beim Code angekommen und so habe ich einfach den Tag damit verbracht unvollständiges zu erweitern und Code, welcher von Schätzungsweise 5 unterschiedlichen Programmierern zusammengewürfelt wurde, gradezurücken.

Dabei hatte ich im Kopf bereits mehrere Stellen markiert, welche dringend überarbeitet werden müssen, sowohl aus Performance, wie aus Gründen der Metrik – also die Wartbarkeit zu erhöhen.

Das ich im Moment meine Abende damit verbringe mich für das Software Tester Zertifikat des ITSQB vorzubereiten, hat sein übriges getan den Code mit ganz anderen Augen zu betrachten.

Alles in allem also ein erfolgreicher erster Tag – aus meiner Sicht und ich bin zuversichtlich über den weiteren Verlauf.

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Arbeiten für Lau?

14. September 2009

Irgendwie scheint der Begriff “Wirtschaftskrise” deutschen Unternehmern zu Kopf gestiegen zu sein. Nach meinen letzten Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt, bin ja seit einiger Zeit wieder auf Jobsuche, wird dieses Schlagwort heute vorgeschoben um die Löhne/Gehälter noch mehr zu drücken als vorher.

Vergangene Woche hatte ich ein Vorstellungsgespräch in einem grundsoliden deutschen Handwerksbetrieb, Inhabergeführt, Produktion mit weltweitem Vertrieb, patentierte Eigenentwicklungen. Dazu eine kleine IT-Abteilung von ca 5 Personen welche für den Eigenbedarf Software warten und den alten Codebestand in nächster Zeit auf die Basis des .NET-Frameworks setzen wollen.

Der Hammer kam am Ende des Gesprächs, es wurde nach meinen Gehaltsvorstellungen gefragt – soweit nichts ungewöhnliches sollte man meinen. Wenn man dem Bewerber allerdings danach unterbreitet, dass die Stelle nach EG8 (vielleicht später EG9) vom IG-Metall-Tarifvertrag bezahlt wird, erschließt sich der ursprüngliche Sinn der Frage nicht mehr. Es gibt keine Aufstiegschancen über die Position im Unternehmen, da die Abteilung zu klein ist. Es gibt keine Aufstiegschancen nach Qualifikation, da nur berücksichtigt wird, was gebraucht wird, nicht was vorhanden ist – und ob die Stelle wirklich mit allen Anforderungen an den Betriebsrat gegeben wurde um sie einzugruppieren ist immer fraglich.

Nach dem unterdurchschnittlichen Gehalt kommt der nächste Hammer, dass Unternehmen ist zur Zeit auf Kurzarbeit. Ein neuer Entwickler soll aber trotzdem her – soweit ok. Es wurde mir sogar offen erklärt, dass mich als Neueingestellter die Kurzarbeit nicht betreffen dürfte – aber in Absprache mit dem Betriebsrat hätte man sich geeinigt, mit mir einen Zusatzvertrag zu vereinbaren, durch den ich solange die Kurzarbeit unternehmensweit läuft, auch nur kurz arbeite und entsprechend wenig verdiene.

Fakt: Mit dem Zusatzvertrag erhalte ich ungefähr so viel Geld wie jetzt durch mein ALG1, hätte dann aber erhöhte Kosten von ca 200€ für Fahrtkosten im Monat, zudem weis jeder, dass die Lebenshaltungskosten sich erhöhen, wenn man nicht den ganzen Tag zuhause ist. Ich würde also mein Konto noch schneller ins rote treiben als jetzt, dass für eine Stelle, welche wirklich keine, aber keine Attraktivität besitzt – abgesehen davon endlich wieder Software-Entwickeln zu können, was aber auch nicht bezahlt werden würde, sondern lediglich die Programmierung.

Was also tun?

Ich werde die Stelle annehmen, selbstverständlich, wenn der angesprochene, illegale, Zusatzvertrag nicht abgeschlossen wird. Ob dies dann nur als Übergang dient kann ich erst sagen, wenn ich die genaueren Bedingungen vor Ort erlebt habe.

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Nett sein

24. Juli 2009

Frau Von der Leyen fordert die anonymen Gestalten des Internet auf, sich gegenseitig mehr zu Respektieren und Nett zu einander zu sein. Nach ihrer Meinung sollte es einen Verhaltenskodex für das Internet geben.

Vielleicht sollte jemand der netten Frau mal erklären, dass es etwas in der Art schon seit den Anfängen des Internet, dem Usenet gibt. Die Nettiquette wird in vielen Varianten verwendet, nicht nur im Usenet, sondern auch auf den meisten Boards und in vielen Chats. Alte Hasen des IRC-Chatsystems haben immer noch auf ihren Servern eine Version der Nettiquette über einen Chatbefehl abrufbar.

Das Problem an solchen Kodizes, und das ist der Grund warum ich darüber schreibe, ist die Akzeptanz selbiger. In den letzten Jahrzehnten hat unsere Gesellschaft immer mehr Werte verloren, wobei der Trend stabil bleibt. Ein paar Kodizes werden in kleinen Gruppen immer noch befolgt, etwa die Kleidungsordnung in der Oper, wobei auch dieses schon wesentlich lockerer geworden ist.

Alle Kodizes sind jedoch gewachsen, haben sich aus Bräuchen und Gewohnheiten entwickelt. Man kann nicht einfach einen Kodex bauen und von anderen Verlangen sich an diesen zu halten. Unser Rechtssystem ist das beste Beispiel dafür, dass so etwas nicht funktioniert, zu oft wird der Kodex unserer Gesellschaft einfach gebrochen.

Anstelle der großen Allgemeinheit etwas vorzusetzen und sie zum akzeptieren zu überreden, sollte man mit der Gesellschaft arbeiten um etwas gemeinsam aufzubauen.

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Verantwortung (1.Update)

20. Juli 2009

Am 13.06.2009 fand auf der Insel Sylt ein Ereignis statt, welches bisher noch seines gleichen sucht.

Über eine Internet-Community wurde eine gemütliche Party am Strand der Insel bekanntgegen, mit dem Angebot, dass jeder der vorbeikommt mitfeiern könne. Aus der gemütlichen Strandparty wurde ein Fest mit ca 5000 Besuchern. Es wurde gefeiert, gezeltet und wieder abgereist. Soweit so schön.

Die Sylter blieben jedoch auf den Kosten dieser Party hängen, denn 5000 Feiernde haben ihr fehlendes Verantwortungsbewußtsein deutlich gemacht, indem sie abreisten ohne aufzuräumen. Gleich 5000 auf einmal, und nicht genug Mitbürger dabei, die dafür sorgen, dass alles wieder so hergerichtet wird, wie es vorgefunden wurde?

Die Insel Sylt jedenfalls möchte nicht auf den Kosten sitzen bleiben und fordert vom Organisator oder Initiator – jedenfalls vom Verantwortlichen – 20.000€ um die Reinigungskosten der Feier zu decken. 5000 Feiernde wollen damit nichts zu tun haben – der Initiator steht alleine da.

Was ich hier nicht verstehe, bei 5000 Feiernden und 20.000€ Kosten, komme ich auf 4€ pro Person. warum sind die Beteiligten nicht bereit selbst für den Schaden aufzukommen anstelle sich hinter der Anonymität des Internets zu verstecken und den Initiator, durch dessen Einfall sie offenbar ein schönes Wochenende hatten, im Stich zu lassen.

Natürlich könnte man behaupten, dass es keinen Stört wenn 4 Leute am Wochenende nach Sylt fahren und dort am Strand feiern, abreisen und den Müll liegen lassen – natürlich geht das nicht durch die Nachrichten, ein Schaden entsteht trotzdem und richtig ist es schonmal gar nicht. Wenn dann 5000 Menschen so handeln und sich klammheimlich davonmachen ist es nur verständlich, dass dies eine größere Welle durch die Medien zieht.

Mein Vorschlag zu der Sache:

Sylt sollte den Partymenschen einfach die Möglichkeit geben ihren Anteil an den Reinigungskosten zu begleichen, jeder für sich, seinen Teil – dafür mit angemessenen Kosten für die Verwaltung der Aktion. Wobei es da durchaus reicht nachzuhalten wieviele Leute ihren Beitrag gezahlt haben – es sollte keinen Grund geben jeden Namentlich zu kennen und aufzufordern zu zahlen – die Party selbst hat auch anonym funktioniert.

Die Partymenschen sollten dieser Aufforderung nachkommen, der Betrag ist für den einzelnen winzig und für jeden zu bezahlen. Verantwortung übernehmen für das eigene Handeln und andere dazu zu bringen dies ebenfalls zu tun. Als Vorbilder agieren – wie es Studenten tun sollten, die im späteren Arbeitsleben ebenfalls verantwortungsvolle Vorbilder sein sollen.

1. Update

Schon ist es passiert, die Stadt Braunschweig versucht sich mit einem Verbot vor dem nächsten Flashmob, einen großen Picknick auf einem öffentlichen Platz zu schützen. Verständlich, dass die Stadt nicht einen vermüllten Platz reinigen möchte, den achtlose Menschen hinterlassen, wenn sie ihren Spaß hatten.

Warum wird allerdings nicht der Weg der Kommunikation beschritten und an die Teilnehmer appelliert, keinen Müll zu hinterlassen? Warum wird nicht einfach das Ordnungsamt zu dem Termin hingeschickt, und dafür gesorgt, dass die Teilnehmer im Nachhinein aufräumen? Warum muss es ein Verbot im Vorfeld sein?

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Nachwuchs

23. Mai 2009

Ja meine lieben Leser, ihr lest richtig, kurz nachdem hier die Meldung zur Verlobung zwischen mir und meiner Liebsten zu lesen war, schreib ich nun von Nachwuchs.

Warum? Ganz einfach, der Arbeitsmarkt ist bescheiden, so dass wir beide dringend etwas Motivation brauchen, zudem erweist sich die Suche nach einer geeigneten Wohnung auch nicht ganz so leicht. Die schon ohnehin drückende Atmosphäre bei mir zuhause wird durch meine beiden etwa 1,5 Jahre alten Pelznasen auch nicht wirklich aufgeheitert, da diese zum einen Stinkfaul sind (Charaktertiere eben), zum anderen noch meinen Arbeitsrythmus innehaben. Sie wuseln nur morgends von 5 – 8 Uhr und Abends zwischen 20 und 22 Uhr durch die Wohnung, den rest der Zeit verbringen sie schlafend oder fressend im Rattenpalast.

Etwas neues musste her, so haben meine Liebste und ich uns entschieden Nachwuchs ins Spiel zu bringen. Seht einfach selbst.

Gruppenkuscheln mit dem Nachwuchs

Beli (schwarz, links), Vali (creme, hinten), Thor (grau, rechts-oben), Baldur (schwarz, unten-rechts)

Alle vier etwa 24 Stunden, nachdem die kleinen in der Rattenvilla einzogen, beim gemütlichen Gruppenkuscheln. Die alten Hasen sind der etwas schüchterne Baldur, der leider mit dem Hintern zur Kamera vorne rechts im Bild liegt, eine Black-Hooded mit sehr gutmütigem Charakter, halb auf ihm drauf liegt Thor, erkennbar an dem grauen Kopf, Fachkundige seien hiermit bestätigt, es handelt sich wohl um eine Dumbo-Ratte. Neu hinzugekommen sind der kleine Vali, cremefarben, liegt etwas weiter hinten im Bild, sowie der kleine Beli, der kleine schwarze der so hilflos auf Thors rücken liegt.

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Politiker-Stopp

04. Mai 2009

Normalerweise bin ich kein Freund von großen Anti-Polit-Aktionen, hier mache ich aber mal eine Ausnahme.

Die Entwickler des Politiker-Stopp’s haben einen Weg gefunden das Internet für den altbackenen Bürohengst zu zensieren, der nur vom Papier liest. Einfach ausprobieren und meine Seite ausdrucken oder auf die Druckvorschau klicken, man merkt sofort was geschieht.

Möchten Sie mehr wissen?

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Bewerbung bei der Godzilla AG

23. April 2009

Normalerweise ist die Zeit der Arbeitlosigkeit frustrierend und Demütigend, ist man doch sobald man Arbeitslos ist nur einer von vielen Schmarotzern, welche der Gesellschaft auf der Tasche liegen.

Man wird gegängelt mit holen Phrasen wie “Wer arbeiten will, findet auch arbeit!” oder “Man muß schonmal zurückstecken, wenn man wieder arbeiten will!”. Bewerbungsgespräche sind in der Regel nichts anderes als das Angebot totaler Unterwerfung und das entblössen des Rückens für die Peitsche des Sklaventreibers – immerhin ist man Arbeitslos und hat als solcher keine Ansprüche zu stellen. Ja, ich bin erst seit 01.04.09 arbeitslos, positiveres ist mir aber noch nicht untergekommen – natürlich denkt nicht jeder so, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Jede Ausnahme, die einen guten Programmierer/Administrator sucht und eine aufstrebende Familie unterstützen mag bitte ich darum sich bei mir zu melden.

Ich bewerbe mich ausschließlich online, denn ich kenne keinen Grund, warum sich ein IT-Spezialist mit Papier bewerben sollte. Der Vorteil einer Online-Bewerbung ist der kurze Postweg. Ich bewarb mich auf eine Stellenbeschreibung der Godzilla AG, welche einen .NET/C#-Entwickler suchen – da nichts genaueres drinsteht bin ich grundlegend dafür gut qualifiziert, so give it a try! Meine Bewerbung bei der Godzilla AG brauchte nur wenige Minuten von meinem System aus bis auf den Bildschirm des Personalers, der mich auch umgehend zurückrief:

Personaler: “Guten Tag Beowulf, ich habe grade gesehen, dass sie sich bei uns beworben haben, allerdings habe ich ihre Unterlagen noch nicht durchgeschaut. In ihrem Anschreiben steht jedenfalls noch keine Gehaltsvorstellung, was schwebt Ihnen da so vor?”
Beowulf-Denkt: ‘Dafür, dass ich nicht weis worum es geht, wie die Firma arbeitet, was meine Aufgaben wären – bleiben wir einfach beim Minimum als Verhandlungsbasis.’
Beowulf: “Nun, ich möchte mich natürlich nicht verschlechtern gegenüber meiner alten Anstellung, also fangen wir bei -reicht-aus-um-single-zu-sein-ist-aber-mehr-als-alg1- an zu verhandeln.”
Personaler: “Hmm [lange Pause] also wir könnten mit -weniger- anfangen und dann auf ein Ziel hinarbeiten um dann in einem Jahr oder so das Gehalt zu steigern, darauf würd ich mich einlassen. Immerhin will das Geld ja auch erst verdient sein. Und von ihrer Qualifikation weis ich ja nun auch nichts.”
Beowulf-Denkt: ‘Hab ich schon mitgemacht, statt ner Steigerung gabs ne Kündigung – Abgesehen davon, womit soll das Geld denn verdient werden? Was ist mit meinen Unterlagen, schicke ich die umsonst in der Gegend rum?’
Beowulf: “Sie könnten mich ja zu einem Vorstellungsgespräch einladen, dann erfahren Sie mehr über mich und meine Qualifikationen, ich erfahre etwas über ihr Unternehmen und dann können wir immer noch übers Gehalt verhandeln!”
Personaler: “Hmm [lange Pause] Währen Sie denn bereit für eine Woche probearbeiten zu kommen?”
Beowulf-Denkt: ‘Eine Woche? In der Zeit vielleicht noch ein ganzes Projekt fertigmachen, was die Firma abrechnen kann?”

Beowulf: “Eine Woche halte ich für zu lang zum Probearbeiten, immerhin werden in einer Woche ganze Projekte in dieser Branche abgerechnet.”
Personaler: “Hmm [lange Pause] Wie haben Sie denn von der Stelle erfahren, über die Arbeitsagentur?”
Beowulf: “Über -eine-Website-mit-anbindung-an-die-Agentur-, also letztlich über die Arbeitsagentur!”
Personaler: “Nennen Sie mir bitte ihren Sachbearbeiter bei der Argentur für Arbeit?”
Beowulf-Denkt: ‘Achso, umsonst arbeiten möchte ich nicht, also wird versucht ein Zwang aufzubauen? Nennt man das nicht Betrug? Gibts dafür nicht bis zu 5 Jahre Haftstrafe? Zum Glück kenne ich den Namen wirklich nicht!’

Beowulf: “Weder kennen ich den Namen meines Sachbearbeiters, noch hat der was mit der Sache zu tun, immerhin habe ich mich bei Ihnen beworben, nicht die Agentur. Wofür brauchen Sie den Namen?”
Personaler: “Hmm [lange Pause] Wir melden uns dann bei Ihnen!”

Man kann es sich denken, mein nächster Anruf ging direkt zur Agentur für Arbeit um eine Beschwerde über die Godzilla AG zu hinterlegen und mich abzusichern, dass eben diese mir nicht unnötig Probleme bereiten können.

Warum hatte ich daran nun Spaß, wenn der Frust meinen Magen wieder grummeln läßt? Nun daran gar nicht, aber nach der deutlichen Abfuhr am Telefon morgends, habe ich am gleichen Abend einen neuen Anruf von der Godzilla AG erhalten, welche mich gerne zum Vorstellungsgespräch einladen würden. Ganz lieb, höflich und kleinlaut.

Trotz aller Warnungen dort gar nicht erst zu erscheinen (interessanterweise von der Agentur für Arbeit) habe ich mich entschlossen mir das Angebot von der Godzilla AG anzuhören und bin heute dorthin gefahren, unter anderem, weil mir die Frage noch nicht beantwortet wurde, was den mein Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit damit zu tun hat.

Das Gespräch an sich fing an wie ein ganz gewöhnliches, nur das sich die Vorstellung darauf beschränkte mir eine Website auf dem Beamer zu zeigen, und mir die Namen der Anwesenden zu nennen. Wer welche Funktion hatte erfuhr ich nicht, es kann aber nicht wichtig gewesen sein – für mich zumindest nicht. Der Personaler lies sich einen Ausdruck meiner Unterlagen von einem Sklaven ins Besprechungszimmer bringen, blickte aber immer noch nicht da hinein.Ein Auszug aus dem Gespräch:

Personaler: “Haben Sie denn schonmal Webseiten programmiert?”
Beowulf-Denkt: ‘Ok, einer ohne Ahnung, sogar der andere grinst sich weg!’
Beowulf: “[Prust] Ja ich habe schonmal Webseiten geschrieben und designed.”

Anmerkung für nicht Fachkundige: Webseiten werden nicht Programmiert, aber es gibt Programme die Webseiten ausgeben – etwa PHP, JSP, ASP und ähnliche – letztendes programmiert aber immer noch keine Webseiten.

“HTML-Programmierer” sind genausowenig Programmierer wie Drucksetzer – beide beschreiben nur wie das Ergebnis auszusehen hat.

Personaler: “[wird rot] Haben Sie den schonmal was von XML gehört?”
Beowulf-Denkt: ‘Wenn ich mit Ja antworte, wird das nicht reichen, wäre aber bei der Frage korrekt – nur dürfte auch mein Tankwart schon von XML gehört haben – was sag ich denn nun?”

Aus peinlich rot wurde Wut-rot und ich wurde hinauskomplementiert. Auf meine nicht beantwortete Frage habe ich immer noch keine Antwort bekommen und welch ein Wunder, man wird sich auch nicht bei mir melden – mir ists recht.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Wenn der Personaler jeden Bewerber von vornherein als inkompetenten, zurückgebliebenen Lohnsklaven ansieht, tut mir jeder Bewerber leid, der diese Firma noch betreten muss. Mal abgesehen von dem Personaler und dem Gehalt, welches in Aussicht gestellt wird, könnte der Arbeitsplatz wirklich interessant sein – wenn man keine Selbstachtung hat.

Was die Sache gutes hat? Theoretisch könnte ich einen freundlichen Brief aufsetzen und die Firma zur Kostenübernahme auffordern, da sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen hat. Zudem kenne ich jetzt wenigstens den Namen meines Sachbearbeiters bei der Agentur für Arbeit – immerhin habe ich mich über die Godzilla AG beschwert und meiner Rückendeckung versichert. Das mit dem Brief überlege ich mir noch.

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Worte, Taten und Symbole – Freud und Leid

22. April 2009

Seit wenigen Tagen ziert ein Ring den Ringfinger an meiner linken Hand und sorgt dafür, dass ich mir ganz neue Gedanken für mein weiteres Leben mache, vor allem für die nahe Zukunft.

Aber jeder Gedanke hat einen Anfang und der liegt diesmal schon recht weit zurück. Ich weis nicht genau wie weit, aber es dürfte kurz nach dem Ereignis gewesen sein, welches ich als “ein Schritt zurück” bezeichne. Das eine Mal, wo ich mich entschlossen habe meinen Weg nicht fortzusetzen, sondern zurückzugehen und meinen alten Weg fortzusetzen.

Zu der Zeit habe ich meiner Liebsten das erste Mal gesagt, dass ich mit ihr alt werden möchte. Genau da hatte ich meiner Liebsten mein Wort gegeben, sie zu ehelichen. Ohne das passende Symbol ist dies in unserer Gesellschaft jedoch nicht akzeptiert, doch für den Samurai zählt sein Wort mehr als jedes Symbol.

Vielleicht ist es mir deswegen so lange nicht in den Sinn gekommen das bekannte Symbol zu besorgen, da für mich die Sache schon beschlossen war. Bis zu dem Tag als meine werte Mutter auf die Idee kam die Familie meiner Liebsten zum Osterfest einzuladen. Auf die Einladung hin kam von der Familie meiner Liebsten die Vermutung auf, dass wir unsere Verlobung bekannt geben wollten. Dem war nicht so. Aber dadurch war das Symbol wieder Präsent, oder eher die Bedeutung für diese Gesellschaft. Deshalb habe ich meine Liebste am Ostersamstag gefragt, ob sie mit mir zusammen Ringe aussuchen wolle, um dem Wort die Tat folgen zu lassen und das ganze mit einem Symbol zu besiegeln.

Ostersonntag zum Familientreffen war nur meine Familie anwesend, für meinen Geschmack mehr als genug Menschen und mehr als genug Trouble. Von unseren Plänen Ringe zu besorgen haben wir daher nichts gesagt. Erst am nächsten Werktag haben wir uns leicht nervös aufgemacht das begehrte Symbol zu besorgen und damit dem Rest der Gesellschaft unsere Absichten zu zeigen.

Die Kunde wurde rumgetragen und führte zu überwiegend positiven Rückmeldungen, leider sind nicht alle von unserem Glück überzeugt und freuen sich mit oder für uns.

Jedenfalls stellt sich einmal mehr heraus, dass in meiner Familie ein starkes Blutsband besteht, wofür ich wieder einmal sehr dankbar bin.

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