Aktiv sein!
Vor kurzem geriet ich in eine vermeidbare Diskussion, welche mit Rechtsprechung als Thema anfing und bei Finanzpolitik abgebrochen wurde durch ein dezentes Gewitter. Eine typische Hölzchen auf Stöckchen auf Baum auf Raumschiff auf Steinzeit auf …*räusper* ihr wisst schon was ich meine… Diskussion.
Dabei wurde ich gefragt, was ich denn tun würde um die Gesellschaft zu verbessern.
Viele glauben, dass unsere Gesellschaft gelenkt wird von wenigen, von Entscheidern, von denen da oben. Um etwas zu verändern reicht es nicht man selbst zu sein, ein kleines Licht im Volk, ein Arbeiter, Angestellter, Freiwilliger. Um etwas verändern zu können muss man Geld haben, Macht haben. Oder Politiker sein – also Geld und Macht haben (Volksmeinung, nicht meine!).
Das sehe ich anders! Natürlich kann ich nicht direkt etwas bewirken. Ebenso wenig können dies aber auch Politiker, Wirtschafter, Berater, Psychologen, Bauarbeiter oder Putzfrauen. Aber jeder kann etwas beitragen. Die Politik des Bürgers ist mehr als die Morgenzeitung zu lesen und am Stammtisch zu klönen, hohle Phrasen zu dreschen und über “die da oben” zu meckern. Die meisten wissen es nur nicht oder akzeptieren nicht, dass auch indirekt etwas erreicht werden kann.
Also, was tue ich, wie werde ich aktiv um mich selbst, die Gesellschaft, die Politik, das Land, meine Stadt, meinen Stadteil, meine Nachbarschaft, meinen Tribe und alles andere zu verbessern?
1. Lernen
Zwar kann ich auf ein recht breit gefächertes Allgemeinwissen verweisen, jedoch bin ich weit davon entfernt allwissend zu sein. Über bestimmte Themen habe ich mir zwar schon mehr Gedanken gemacht als der Durchschnittsbürger, doch habe ich meine Grenzen in vielen Bereichen. Um mir eine Meinung bilden zu können was falsch läuft, beschäftige ich mich ausführlich damit zu verstehen warum etwas so läuft, was für Auswirkungen ein anderes Verhalten zu tage fördern würde. Auch hier spielen Grenzen eine wichtige Rolle, habe ich doch nicht die Zeit noch das Verständnis um umfassend ein Thema erforschen zu können. Daher nutze ich als digital Native meine Möglichkeiten und informiere mich, wie viele andere auch, hauptsächlich online über alle Kanäle, die sich mir so bieten um mir von anderen Thesen und Antithesen anzueignen, diese gegen zu prüfen und darauf aufzubauen. Doch auch da spielt die Zeit ein Problem. Daher beschränke ich meine Nützlichkeit für die Gesellschaft und meine Lern-Aktivitäten auf meine wenigen Fachbereiche.
“Wissen ist das einzige Gut, welches sich durch teilen vermehrt!”
2. Aufklären
Es reicht natürlich nicht nur sich selbst das Wissen anzueignen. Es geht darum in der heutigen Zeit Wissen zu verbreiten. Die meisten Stammtischparolen und somit auch die meisten Meinungen der breiten Masse, zeugen leider von schlechter Information und/oder falschem Grundlagenwissen. Was also kann ich tun, um für die Gebiete wo ich dies kann, die Gesellschaft um mich herum unmittelbar zu verändern? Natürlich, ich kann mit Aufklärung dienen. Ich kann hingehen und Missverständnisse aufklären, Stammtischparolen erklären und aufklären warum sie falsch sind (wenn sie es sind, Ausnahmen bestätigen ja die Regel). Um also die Gesellschaft um mich herum zu verbessern, teile ich mein Wissen mit ihnen und kann so direkt eine kleine Gesellschaft um mich herum, indirekt aber viel mehr Menschen erreichen. Durch die Nutzung des Internet kann ich noch einen viel größeren Teil der Gesellschaft erreichen. Dazu muss ich nicht einmal hingehen und alles in eigene Worte fassen, es reicht auch aus die Grundlegende Idee des “World Wide Web” zu nutzen und zu verlinken. Wenn die wenigen, welche meinen Blog lesen dadurch Wissen finden, welches sie sonst nicht gefunden, womöglich nichtmal gesucht hätten, habe ich meinen Teil da nicht schon getan?
3. Teilnehmen
Schon immer bin ich der Meinung, dass passiv sein der schlimmste Fehler überhaupt ist. Aber was bedeutet das? Teilnehmen an der Politik muss nicht bedeuten Mitglied zu sein in einer Partei. Es muss nicht bedeuten an Demonstrationen teilzunehmen, Kundgebungen zu verfolgen und Flugzettel zu verteilen. Aber es kann all das bedeuten. Was macht ein digital Native stattdessen? Bloggen, Twittern und verlinken. Lesen und schreiben, verbreiten und aufklären.
Politik, Wirtschaft, Kultur, an allem kann man teilnehmen ohne einer von “denen da oben” zu sein. Petitionen z.B. natürlich ist es bei den meisten keine Nachrichtenmeldung Wert, wenn der Name unter einer Petition auftaucht – aber die Masse an Unterschriften macht die Petition dann doch interessant. Aktionen z.B. wie die Schufa-Auskunft-Aktion, bei der jeder seinen kostenlosen Anspruch auf die jährliche kostenlose Selbstauskunft nutzen sollte. Sammelklagen für Verfassungsbeschwerden wo es auf jeden Teilnehmer ankommt wie z.B. gegen die Vorratsdatenspeicherung oder den Zensus 2011. Teilnehmen kann jeder und jeder noch so kleine Beitrag ist ein Beitrag für unsere Gesellschaft.
Klingt das für euch Naiv? Hoffnungslos romantisch? Falsch? Mich interessieren eure Meinungen zu dem Thema!
[Update]
Offenbar sieht sogar unsere Kanzlerin, dass die Politik nicht mehr nur von denen “da oben”, also ihren eigenen Leuten gemacht wird – oder zumindest nicht mehr unbeobachtet. Für Frau Merkel ist es eine Gefahr, dass durch die neuen Medien jeder aktiv sein und sich einbringen kann. Das jeder in der Lage ist Aufklärung zu betreiben, sich Informationen gezielt und aufbereitet in verschiedenen Facetten zu holen und selbst zu verarbeiten. Das macht es natürlich den Politikern schwerer unbeliebte Themen schnell und heimlich abzuhandeln wie dies bei der Fußball-WM erneut geschehen ist. Die Netzgemeinde wird von der Politik, von “denen da oben” aktiv wahrgenommen und ist keine nutzlose Bewegung, kein sinnfreies zeitliches Phänomen. Macht mit Leute, seit aktiv dabei unsere Gesellschaft zu formen!