Identitätsfindung…

Wie ergeht es einem digital Native wenn er feststellt, dass die Datenautobahn zu schnell für ihn ist?

Zuerst einmal, ja, ich zähle mich zu den “digital Natives”, da ich seit meiner Jugend Computer und das Internet täglich nutze, sie einen Teil meines Lebens darstellen, ich mein Leben damit manage und teilweise sogar meinen Lebensinhalt mit ihnen fülle, von meinem Job ganz zu schweigen.

Was bedeutet es also ein digital Native zu sein? Für mich ist es, morgens statt in den Briefkasten in den Posteingang des Mailprogramms zu schauen. Statt der Zeitung meinen Newsreader aufzurufen und meine Podcasts herunterzuladen, welche danach auf das Handy geladen werden um mit ihnen die Fahrt zur Arbeit vergnüglicher zu machen.

Es bedeutet für mich Kontakt zu halten zu Freunden, Bekannten, Kollegen. Ein paar Jahre lang hab ich anstelle zum Telefon zu greifen die Tastatur unter die Finger genommen, Rat gesucht, Trost gespendet, Hilfe gegeben und gefunden,. gelacht, gescherzt, getrauert, kurz gelebt.

In einer ziemlich einsamen und tristen Phase meines Lebens habe ich die ganze Nacht im U-Boot Chat gesessen und mit einer Psychologin aus Hamburg gechattet. Etwa einen Monat lang jede Nacht. Wir hatten beide dasselbe Schicksal die Zeit über arbeitslos zu sein und beide das Glück zu den ersten Flatrate-Besitzern Deutschlands zu gehören (Flatrate, 56K-Modem über analoge Kupferdoppelader). Ich habe den Kontakt zu dieser Bekanntschaft leider verloren, als sich mein leben ein weiteres Mal änderte – zudem hab ich die Community vom U-Boot verlassen, da sie sich anders entwickelt hat als es mir recht war.

Die Freiheit zu wechseln, sich nach eigenem Interessen zu organisieren und im Netz dorthin zu gehen wo man sich wohlfühlt, solange man sich dort wohlfühlt – auch das bedeutet es für mich ein digital Native zu sein.

Im Internet habe ich gelernt, meine Kenntnisse erweitert und geteilt. Von neuen und alten Dingen erfahren, Zusammenhänge herausgefunden und nachvollzogen. Bei meiner Arbeit ist es üblich, nicht nur mit seinem eigenen Wissen zu arbeiten, sondern als Kollektiv. Programmierer aus der ganzen Welt teilen ihr Wissen und ihre Lösungen. Helfen sich gegenseitig Probleme zu lösen und schließen sich zusammen um aus altem neues zu schaffen.

Für jedes Interesse, für  jede Sparte von Wissen und Fertigkeit. Für jedes Hobby, jeden Geschmack und jede Laune konnte man sich im Netz eine Identität schaffen. Viele haben mehrere, ich habe eine für alle. Meinen Nick bei Suchmaschinen einzugeben führt zu massigen Ergebnissen die alle zu mir und meinem Leben gehören. Mehr richtige Treffer als man unter meinem richtigen Namen findet.

Ich war ganz weit vorne und nach meinem Verständnis bin ich es sogar heute noch. Ich nutze alle Vorteile, die mir das Netz bieten kann. Zumindest alle, die ich sehe. Ich verstehe die Diskussionen um Privatsphäre, Datenschutz und unsere Grundrechte, doch liegt meine Meinung vielleicht ein wenig abseits von der Norm. Das Internet ist ein Teil meines Lebens, es muss nicht anonym sein nach meiner Meinung und auf meine Art ist es das auch nicht.

Die Datenautobahn ist zu schnell für mich geworden, wie ich so langsam erkenne. Ich lebe im Netz, aber ich lebe langsam. Heute sind E-Mails schon so tot wie Briefe. Blogs nicht mehr aktuell genug, und Messaging zu eintönig. Was in meiner Welt noch auf vielen Spuren der Datenautobahn parallel abläuft muss heute auf eine Spur passen – dazu noch in dreifachen Tempo.

Also versuchte ich mitzuhalten und habe mich in die neuen Welten vorgewagt. Twitter war das erste, immerhin hört man überall davon. Um auf die Beschleunigungsspur zu wechseln ist dies Pflicht. Für mich ist es eine Mischung aus Messaging, Blogging und Chatting geworden. Jeder mit jedem, jeder kanns lesen, jeder kann sich einmischen und das schlimmste, meistens kommt nichts dabei heraus ausser Kurzweil. wer drei Stunden offline war kann bereits nicht mehr aufholen, was er verpasst hat. Nützliche Informationen für mein Leben kann ich dort jedoch kaum finden, das bisschen Zeitvorteil was ich gegenüber den Blogs habe kann ich auch nur dann ausnutzen, wenn ich ständig den Twitter-Feed im Auge habe.

Dailybooth ist eine andere Community, wo ich mich zur Zeit versuche. die Idee dahinter ist einfach, Dokumentiere dein Leben mit einem Foto jeden Tag. Da mir die Idee gefällt hab ich das nun ein wenig ausprobiert. Jetzt will man als medienkompetenter Mensch natürlich nicht zu viel von sich Preisgeben, aber doch Teil der Community sein. Ein Konflikt mit sich selbst? Mitnichten, der Spaß an der Sache zählt.

Bei Bookrix bin ich seit ich einen Ebook-Reader, ein Cybook-Opus, mein eigen nenne. Hier suche ich regelmäßig nach neuem Lesestoff. Zudem habe ich es bereits geschafft  meine erste Kurzgeschichte dort zu veröffentlichen. Je nachdem wie viel Zeit ich habe und wie kreativ ich mich fühle, kann ich hier weitere Stories, Bücher, Comics und weiteres veröffentlichen. Natürlich kann ich das über meinen Blog, nur hier ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass es auch gelesen wird.

Was bleibt ist die tägliche Frage, ob es ein Teil seines digitalen Ich ist, oder nur ein Versuch sich selbst zu finden. Was ist mit den digital Natives da draußen wann habt ihr euch das letzte Mal wirklich Gedanken über eure Identität gemacht? Was werde ich wohl als nächstes tun um meine digitale Identität zu finden?

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Eine Antwort zu “Identitätsfindung…”

  1. Forestwalk» Blogarchiv » Aktiv sein! sagt:

    [...] noch das Verständnis um umfassend ein Thema erforschen zu können. Daher nutze ich als digital Native meine Möglichkeiten und informiere mich, wie viele andere auch, hauptsächlich online [...]

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