Arbeiten für Lau?
Irgendwie scheint der Begriff “Wirtschaftskrise” deutschen Unternehmern zu Kopf gestiegen zu sein. Nach meinen letzten Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt, bin ja seit einiger Zeit wieder auf Jobsuche, wird dieses Schlagwort heute vorgeschoben um die Löhne/Gehälter noch mehr zu drücken als vorher.
Vergangene Woche hatte ich ein Vorstellungsgespräch in einem grundsoliden deutschen Handwerksbetrieb, Inhabergeführt, Produktion mit weltweitem Vertrieb, patentierte Eigenentwicklungen. Dazu eine kleine IT-Abteilung von ca 5 Personen welche für den Eigenbedarf Software warten und den alten Codebestand in nächster Zeit auf die Basis des .NET-Frameworks setzen wollen.
Der Hammer kam am Ende des Gesprächs, es wurde nach meinen Gehaltsvorstellungen gefragt – soweit nichts ungewöhnliches sollte man meinen. Wenn man dem Bewerber allerdings danach unterbreitet, dass die Stelle nach EG8 (vielleicht später EG9) vom IG-Metall-Tarifvertrag bezahlt wird, erschließt sich der ursprüngliche Sinn der Frage nicht mehr. Es gibt keine Aufstiegschancen über die Position im Unternehmen, da die Abteilung zu klein ist. Es gibt keine Aufstiegschancen nach Qualifikation, da nur berücksichtigt wird, was gebraucht wird, nicht was vorhanden ist – und ob die Stelle wirklich mit allen Anforderungen an den Betriebsrat gegeben wurde um sie einzugruppieren ist immer fraglich.
Nach dem unterdurchschnittlichen Gehalt kommt der nächste Hammer, dass Unternehmen ist zur Zeit auf Kurzarbeit. Ein neuer Entwickler soll aber trotzdem her – soweit ok. Es wurde mir sogar offen erklärt, dass mich als Neueingestellter die Kurzarbeit nicht betreffen dürfte – aber in Absprache mit dem Betriebsrat hätte man sich geeinigt, mit mir einen Zusatzvertrag zu vereinbaren, durch den ich solange die Kurzarbeit unternehmensweit läuft, auch nur kurz arbeite und entsprechend wenig verdiene.
Fakt: Mit dem Zusatzvertrag erhalte ich ungefähr so viel Geld wie jetzt durch mein ALG1, hätte dann aber erhöhte Kosten von ca 200€ für Fahrtkosten im Monat, zudem weis jeder, dass die Lebenshaltungskosten sich erhöhen, wenn man nicht den ganzen Tag zuhause ist. Ich würde also mein Konto noch schneller ins rote treiben als jetzt, dass für eine Stelle, welche wirklich keine, aber keine Attraktivität besitzt – abgesehen davon endlich wieder Software-Entwickeln zu können, was aber auch nicht bezahlt werden würde, sondern lediglich die Programmierung.
Was also tun?
Ich werde die Stelle annehmen, selbstverständlich, wenn der angesprochene, illegale, Zusatzvertrag nicht abgeschlossen wird. Ob dies dann nur als Übergang dient kann ich erst sagen, wenn ich die genaueren Bedingungen vor Ort erlebt habe.