Ronin – Zeit zum Nachdenken
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man von denen, den man seine Loyalität gegeben hat, einfach fallengelassen wird. Da ich seit 3 Tagen ein Ronin bin, kann ich nun drüber schreiben ohne mein Gesicht zu verlieren.
Ich wurde gekündigt, weil ich meinen Weg gehe, kein Ja-Sager bin und, weil ich waschechtes italienisches Temperament habe, welches auch beizeiten aus mir herausbricht.
Ich gehe meinen Weg. Ich bin wer ich bin, und wie ich bin. ich halte nichts von alten Konventionen, und scheue mich nicht davor neue Wege zu bestreiten. Deswegen bin ich auch einer der wenigen Fachinformatiker, welcher nicht im Anzug zum Vorstellungsgespräch kommt, schon gar nicht zur täglichen Arbeit. Warum? Ein Anzug hat aus noch niemandem einen guten Programmierer gemacht. Ebensowenig einen Manager, einen Banker oder einen Snooker-Spieler. Die Seriösität von Anzügen ist seit langem nicht mehr gegeben, man braucht sich nur mal die Nachrichten anschauen, was die seriösen Schlipsträger aus dem Geld anderer Leute machen -> heiße Luft! In der IT Branche führte das seriöse, professionelle Ansehen von Anzügen dazu, dass jeder einen Anzug trug um damit alle damit verbundenen Eigenschaften vorzutäuschen. Der Ausdruck Kompetenz-Protese kommt nicht von ungefähr. Ich jedenfalls meide diese wo immer ich kann, denn vortäuschen muss ich nichts. Beim Vorstellungsgespräch in meinem letzten Unternehmen war dies auch noch auf offene Ohren gestoßen, meine Bereitschaft für den Suit beim Kundeneinsatz vorausgesetzt, wo ich natürlich nichts gegen habe. Schwierigkeiten gab es zwischendurch, als ich beim Kunden täglich sitzen sollte, obwohl es keinen Grund dafür gab – außer dass unser Projektleiter mehr Kontrolle über mich haben könnte und hoffte, ich würde beim Kunden seine unfachlichen Argumente einfach hinnehmen und einfach Ja sagen.
Womit wir beim Ja-Sager wären. Bei der Softwareentwicklung im großen Stil müssen Entscheidungen getroffen werden und jedes Unternehmen behauptet stets im Sinne des Kunden handeln zu wollen. Leider wird dies meist als Deckmantel verwendet um eigene Ziele zu verwirklichen, und diese dem Kunden unterzuschieben – sich selbst dabei natürlich noch beweihräuchernd. Meiner Meinung nach sollten solche Entscheidungen deshalb stets nach Sachlichkeit und Fachkunde getroffen werden, wofür ich mich stets stark gemacht habe – automatisch war ich damit auf der Abschuß-Liste derjenigen, welche unter einem Mantel stecken.
Zu guter letzt mein Temperament, welches eine Schwäche meinerseits darstellt, die schnell ausgenutzt werden kann – gegen mich. So dürfte es keinem entgangen sein, dass ich deutlich werde, wenn man mich nur genug reizt. Für intrigenspiel wunderbar geeignet ist jedem Manipulator ein langer Hebel gegeben um mich negativ dastehen zu lassen.
Yare, es ist Zeit dieses Kapitel abzuschließen und inzwischen sind auch alle Formalitäten erledigt, so dass ich ein Siegel schmelzen kann.
Offen bleibt für mich:
- Warum glaubt ein Arbeitgeber, der einem grade gekündigt hat, sich als Held in Not darzustellen, indem er Unterstützung bei der Arbeitssuche anbietet?
- Warum hält ein Arbeitgeber das Arbeitszeugnis bis zum letzten Augeblick fest, trotz des obigen Angebots?
Vielleicht bin ich nicht genug Kind geblieben um dieses Verhalten zu verstehen!