Stadt der Träume
Donnerstag, 05. November 2009Manchmal braucht man einen guten Grund um die gewohnte Umlaufbahn zu verlassen und mal etwas abseits des alltäglichen zu unternehmen.
Vor kurzem kam wieder solch ein Grund und riss mich mit der kurzen Vorlaufzeit von zwei Tagen aus meinem noch nicht wieder gefestigten Alltag meines neuen Berufslebens. Es waren Karten für die neue Vorstellung des GOP-Variete in Essen, welche für meine Liebste und mich bereitgestellt wurden.
Das verlassen der bekannten Umlaufbahn war an diesem Abend sogar sehr stürmisch, da ich mich nicht in den gewohnten zähfließenden Verkehr der A40 einfädeln konnte, mit dem ich inzwischen rechnen kann um von der Arbeit Heim zu kommen, sondern von Bochum aus Quer durch Gelsenkirchen bis in den Kreis Recklinghausen – oder einfach mit der Blechlawine durch die Betonwüste stottern bis das Navi die befreienden Worte von sich gibt: “Sie haben Ihr Ziel erreicht.”. Auf dem Heimweg noch schnell etwas nahrhaftes besorgt und in windeseile heruntergewürgt, dann schon wieder los, Treffpunkt und auf zum GOP. Nur um eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung anwesend zu sein und warten zu dürfen. Immerhin in Gesellschaft und mit Ausblick auf einen weniger stressigen Abend.
Da ich das Negative schon angefangen habe zu betonen, im Saal des GOP ist es eng, Besucher sollten keine Angst davor haben mit dem Tischnachbarn und den Nachbarn vom Nebentisch in Berührung zu kommen, etwa zwei Tische pro Reihe weniger könnten fremde zumindest außerhalb der privaten-Näherungszone (bei West-europäern etwa 60cm) halten. Man sitzt seitlich zur Bühne, was je nach Tischseite und Saalseite zur einer recht starken Verdrehung des Torso führen kann, wenn man die Bühne im Blick behalten möchte.
Dafür überzeugt das Programm. Stadt der Träume ist eine leichte Rahmenhandlung, die nicht vieler Worte benötigt und durch die kleinen Szenen zwischen den einzelnen Darbietungen besteht. Die einzelnen Darbietungenwerden dadurch nicht komplett eingebunden, aber es wirkt wesentlich wärmer als vergleichsweise lieblos aneinandergereihte Vorführungen.
Vom Programm möchte ich auch nicht allzu viel verraten, aber ich kann es jedem empfehlen, der einen mürrischen Zauberer, ergeizige jongleure und Artisten und lustige Clowns (nicht die mit den roten Nasen) sehen und sich für ein paar Stunden in eine kleine Stadt voller schöner Träume entführen lassen mag.