Archiv für Juli 2009

Nett sein

Freitag, 24. Juli 2009

Frau Von der Leyen fordert die anonymen Gestalten des Internet auf, sich gegenseitig mehr zu Respektieren und Nett zu einander zu sein. Nach ihrer Meinung sollte es einen Verhaltenskodex für das Internet geben.

Vielleicht sollte jemand der netten Frau mal erklären, dass es etwas in der Art schon seit den Anfängen des Internet, dem Usenet gibt. Die Nettiquette wird in vielen Varianten verwendet, nicht nur im Usenet, sondern auch auf den meisten Boards und in vielen Chats. Alte Hasen des IRC-Chatsystems haben immer noch auf ihren Servern eine Version der Nettiquette über einen Chatbefehl abrufbar.

Das Problem an solchen Kodizes, und das ist der Grund warum ich darüber schreibe, ist die Akzeptanz selbiger. In den letzten Jahrzehnten hat unsere Gesellschaft immer mehr Werte verloren, wobei der Trend stabil bleibt. Ein paar Kodizes werden in kleinen Gruppen immer noch befolgt, etwa die Kleidungsordnung in der Oper, wobei auch dieses schon wesentlich lockerer geworden ist.

Alle Kodizes sind jedoch gewachsen, haben sich aus Bräuchen und Gewohnheiten entwickelt. Man kann nicht einfach einen Kodex bauen und von anderen Verlangen sich an diesen zu halten. Unser Rechtssystem ist das beste Beispiel dafür, dass so etwas nicht funktioniert, zu oft wird der Kodex unserer Gesellschaft einfach gebrochen.

Anstelle der großen Allgemeinheit etwas vorzusetzen und sie zum akzeptieren zu überreden, sollte man mit der Gesellschaft arbeiten um etwas gemeinsam aufzubauen.

Verantwortung (1.Update)

Montag, 20. Juli 2009

Am 13.06.2009 fand auf der Insel Sylt ein Ereignis statt, welches bisher noch seines gleichen sucht.

Über eine Internet-Community wurde eine gemütliche Party am Strand der Insel bekanntgegen, mit dem Angebot, dass jeder der vorbeikommt mitfeiern könne. Aus der gemütlichen Strandparty wurde ein Fest mit ca 5000 Besuchern. Es wurde gefeiert, gezeltet und wieder abgereist. Soweit so schön.

Die Sylter blieben jedoch auf den Kosten dieser Party hängen, denn 5000 Feiernde haben ihr fehlendes Verantwortungsbewußtsein deutlich gemacht, indem sie abreisten ohne aufzuräumen. Gleich 5000 auf einmal, und nicht genug Mitbürger dabei, die dafür sorgen, dass alles wieder so hergerichtet wird, wie es vorgefunden wurde?

Die Insel Sylt jedenfalls möchte nicht auf den Kosten sitzen bleiben und fordert vom Organisator oder Initiator – jedenfalls vom Verantwortlichen – 20.000€ um die Reinigungskosten der Feier zu decken. 5000 Feiernde wollen damit nichts zu tun haben – der Initiator steht alleine da.

Was ich hier nicht verstehe, bei 5000 Feiernden und 20.000€ Kosten, komme ich auf 4€ pro Person. warum sind die Beteiligten nicht bereit selbst für den Schaden aufzukommen anstelle sich hinter der Anonymität des Internets zu verstecken und den Initiator, durch dessen Einfall sie offenbar ein schönes Wochenende hatten, im Stich zu lassen.

Natürlich könnte man behaupten, dass es keinen Stört wenn 4 Leute am Wochenende nach Sylt fahren und dort am Strand feiern, abreisen und den Müll liegen lassen – natürlich geht das nicht durch die Nachrichten, ein Schaden entsteht trotzdem und richtig ist es schonmal gar nicht. Wenn dann 5000 Menschen so handeln und sich klammheimlich davonmachen ist es nur verständlich, dass dies eine größere Welle durch die Medien zieht.

Mein Vorschlag zu der Sache:

Sylt sollte den Partymenschen einfach die Möglichkeit geben ihren Anteil an den Reinigungskosten zu begleichen, jeder für sich, seinen Teil – dafür mit angemessenen Kosten für die Verwaltung der Aktion. Wobei es da durchaus reicht nachzuhalten wieviele Leute ihren Beitrag gezahlt haben – es sollte keinen Grund geben jeden Namentlich zu kennen und aufzufordern zu zahlen – die Party selbst hat auch anonym funktioniert.

Die Partymenschen sollten dieser Aufforderung nachkommen, der Betrag ist für den einzelnen winzig und für jeden zu bezahlen. Verantwortung übernehmen für das eigene Handeln und andere dazu zu bringen dies ebenfalls zu tun. Als Vorbilder agieren – wie es Studenten tun sollten, die im späteren Arbeitsleben ebenfalls verantwortungsvolle Vorbilder sein sollen.

1. Update

Schon ist es passiert, die Stadt Braunschweig versucht sich mit einem Verbot vor dem nächsten Flashmob, einen großen Picknick auf einem öffentlichen Platz zu schützen. Verständlich, dass die Stadt nicht einen vermüllten Platz reinigen möchte, den achtlose Menschen hinterlassen, wenn sie ihren Spaß hatten.

Warum wird allerdings nicht der Weg der Kommunikation beschritten und an die Teilnehmer appelliert, keinen Müll zu hinterlassen? Warum wird nicht einfach das Ordnungsamt zu dem Termin hingeschickt, und dafür gesorgt, dass die Teilnehmer im Nachhinein aufräumen? Warum muss es ein Verbot im Vorfeld sein?