Archiv für April 2009

Bewerbung bei der Godzilla AG

Donnerstag, 23. April 2009

Normalerweise ist die Zeit der Arbeitlosigkeit frustrierend und Demütigend, ist man doch sobald man Arbeitslos ist nur einer von vielen Schmarotzern, welche der Gesellschaft auf der Tasche liegen.

Man wird gegängelt mit holen Phrasen wie “Wer arbeiten will, findet auch arbeit!” oder “Man muß schonmal zurückstecken, wenn man wieder arbeiten will!”. Bewerbungsgespräche sind in der Regel nichts anderes als das Angebot totaler Unterwerfung und das entblössen des Rückens für die Peitsche des Sklaventreibers – immerhin ist man Arbeitslos und hat als solcher keine Ansprüche zu stellen. Ja, ich bin erst seit 01.04.09 arbeitslos, positiveres ist mir aber noch nicht untergekommen – natürlich denkt nicht jeder so, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Jede Ausnahme, die einen guten Programmierer/Administrator sucht und eine aufstrebende Familie unterstützen mag bitte ich darum sich bei mir zu melden.

Ich bewerbe mich ausschließlich online, denn ich kenne keinen Grund, warum sich ein IT-Spezialist mit Papier bewerben sollte. Der Vorteil einer Online-Bewerbung ist der kurze Postweg. Ich bewarb mich auf eine Stellenbeschreibung der Godzilla AG, welche einen .NET/C#-Entwickler suchen – da nichts genaueres drinsteht bin ich grundlegend dafür gut qualifiziert, so give it a try! Meine Bewerbung bei der Godzilla AG brauchte nur wenige Minuten von meinem System aus bis auf den Bildschirm des Personalers, der mich auch umgehend zurückrief:

Personaler: “Guten Tag Beowulf, ich habe grade gesehen, dass sie sich bei uns beworben haben, allerdings habe ich ihre Unterlagen noch nicht durchgeschaut. In ihrem Anschreiben steht jedenfalls noch keine Gehaltsvorstellung, was schwebt Ihnen da so vor?”
Beowulf-Denkt: ‘Dafür, dass ich nicht weis worum es geht, wie die Firma arbeitet, was meine Aufgaben wären – bleiben wir einfach beim Minimum als Verhandlungsbasis.’
Beowulf: “Nun, ich möchte mich natürlich nicht verschlechtern gegenüber meiner alten Anstellung, also fangen wir bei -reicht-aus-um-single-zu-sein-ist-aber-mehr-als-alg1- an zu verhandeln.”
Personaler: “Hmm [lange Pause] also wir könnten mit -weniger- anfangen und dann auf ein Ziel hinarbeiten um dann in einem Jahr oder so das Gehalt zu steigern, darauf würd ich mich einlassen. Immerhin will das Geld ja auch erst verdient sein. Und von ihrer Qualifikation weis ich ja nun auch nichts.”
Beowulf-Denkt: ‘Hab ich schon mitgemacht, statt ner Steigerung gabs ne Kündigung – Abgesehen davon, womit soll das Geld denn verdient werden? Was ist mit meinen Unterlagen, schicke ich die umsonst in der Gegend rum?’
Beowulf: “Sie könnten mich ja zu einem Vorstellungsgespräch einladen, dann erfahren Sie mehr über mich und meine Qualifikationen, ich erfahre etwas über ihr Unternehmen und dann können wir immer noch übers Gehalt verhandeln!”
Personaler: “Hmm [lange Pause] Währen Sie denn bereit für eine Woche probearbeiten zu kommen?”
Beowulf-Denkt: ‘Eine Woche? In der Zeit vielleicht noch ein ganzes Projekt fertigmachen, was die Firma abrechnen kann?”

Beowulf: “Eine Woche halte ich für zu lang zum Probearbeiten, immerhin werden in einer Woche ganze Projekte in dieser Branche abgerechnet.”
Personaler: “Hmm [lange Pause] Wie haben Sie denn von der Stelle erfahren, über die Arbeitsagentur?”
Beowulf: “Über -eine-Website-mit-anbindung-an-die-Agentur-, also letztlich über die Arbeitsagentur!”
Personaler: “Nennen Sie mir bitte ihren Sachbearbeiter bei der Argentur für Arbeit?”
Beowulf-Denkt: ‘Achso, umsonst arbeiten möchte ich nicht, also wird versucht ein Zwang aufzubauen? Nennt man das nicht Betrug? Gibts dafür nicht bis zu 5 Jahre Haftstrafe? Zum Glück kenne ich den Namen wirklich nicht!’

Beowulf: “Weder kennen ich den Namen meines Sachbearbeiters, noch hat der was mit der Sache zu tun, immerhin habe ich mich bei Ihnen beworben, nicht die Agentur. Wofür brauchen Sie den Namen?”
Personaler: “Hmm [lange Pause] Wir melden uns dann bei Ihnen!”

Man kann es sich denken, mein nächster Anruf ging direkt zur Agentur für Arbeit um eine Beschwerde über die Godzilla AG zu hinterlegen und mich abzusichern, dass eben diese mir nicht unnötig Probleme bereiten können.

Warum hatte ich daran nun Spaß, wenn der Frust meinen Magen wieder grummeln läßt? Nun daran gar nicht, aber nach der deutlichen Abfuhr am Telefon morgends, habe ich am gleichen Abend einen neuen Anruf von der Godzilla AG erhalten, welche mich gerne zum Vorstellungsgespräch einladen würden. Ganz lieb, höflich und kleinlaut.

Trotz aller Warnungen dort gar nicht erst zu erscheinen (interessanterweise von der Agentur für Arbeit) habe ich mich entschlossen mir das Angebot von der Godzilla AG anzuhören und bin heute dorthin gefahren, unter anderem, weil mir die Frage noch nicht beantwortet wurde, was den mein Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit damit zu tun hat.

Das Gespräch an sich fing an wie ein ganz gewöhnliches, nur das sich die Vorstellung darauf beschränkte mir eine Website auf dem Beamer zu zeigen, und mir die Namen der Anwesenden zu nennen. Wer welche Funktion hatte erfuhr ich nicht, es kann aber nicht wichtig gewesen sein – für mich zumindest nicht. Der Personaler lies sich einen Ausdruck meiner Unterlagen von einem Sklaven ins Besprechungszimmer bringen, blickte aber immer noch nicht da hinein.Ein Auszug aus dem Gespräch:

Personaler: “Haben Sie denn schonmal Webseiten programmiert?”
Beowulf-Denkt: ‘Ok, einer ohne Ahnung, sogar der andere grinst sich weg!’
Beowulf: “[Prust] Ja ich habe schonmal Webseiten geschrieben und designed.”

Anmerkung für nicht Fachkundige: Webseiten werden nicht Programmiert, aber es gibt Programme die Webseiten ausgeben – etwa PHP, JSP, ASP und ähnliche – letztendes programmiert aber immer noch keine Webseiten.

“HTML-Programmierer” sind genausowenig Programmierer wie Drucksetzer – beide beschreiben nur wie das Ergebnis auszusehen hat.

Personaler: “[wird rot] Haben Sie den schonmal was von XML gehört?”
Beowulf-Denkt: ‘Wenn ich mit Ja antworte, wird das nicht reichen, wäre aber bei der Frage korrekt – nur dürfte auch mein Tankwart schon von XML gehört haben – was sag ich denn nun?”

Aus peinlich rot wurde Wut-rot und ich wurde hinauskomplementiert. Auf meine nicht beantwortete Frage habe ich immer noch keine Antwort bekommen und welch ein Wunder, man wird sich auch nicht bei mir melden – mir ists recht.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Wenn der Personaler jeden Bewerber von vornherein als inkompetenten, zurückgebliebenen Lohnsklaven ansieht, tut mir jeder Bewerber leid, der diese Firma noch betreten muss. Mal abgesehen von dem Personaler und dem Gehalt, welches in Aussicht gestellt wird, könnte der Arbeitsplatz wirklich interessant sein – wenn man keine Selbstachtung hat.

Was die Sache gutes hat? Theoretisch könnte ich einen freundlichen Brief aufsetzen und die Firma zur Kostenübernahme auffordern, da sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen hat. Zudem kenne ich jetzt wenigstens den Namen meines Sachbearbeiters bei der Agentur für Arbeit – immerhin habe ich mich über die Godzilla AG beschwert und meiner Rückendeckung versichert. Das mit dem Brief überlege ich mir noch.

Worte, Taten und Symbole – Freud und Leid

Mittwoch, 22. April 2009

Seit wenigen Tagen ziert ein Ring den Ringfinger an meiner linken Hand und sorgt dafür, dass ich mir ganz neue Gedanken für mein weiteres Leben mache, vor allem für die nahe Zukunft.

Aber jeder Gedanke hat einen Anfang und der liegt diesmal schon recht weit zurück. Ich weis nicht genau wie weit, aber es dürfte kurz nach dem Ereignis gewesen sein, welches ich als “ein Schritt zurück” bezeichne. Das eine Mal, wo ich mich entschlossen habe meinen Weg nicht fortzusetzen, sondern zurückzugehen und meinen alten Weg fortzusetzen.

Zu der Zeit habe ich meiner Liebsten das erste Mal gesagt, dass ich mit ihr alt werden möchte. Genau da hatte ich meiner Liebsten mein Wort gegeben, sie zu ehelichen. Ohne das passende Symbol ist dies in unserer Gesellschaft jedoch nicht akzeptiert, doch für den Samurai zählt sein Wort mehr als jedes Symbol.

Vielleicht ist es mir deswegen so lange nicht in den Sinn gekommen das bekannte Symbol zu besorgen, da für mich die Sache schon beschlossen war. Bis zu dem Tag als meine werte Mutter auf die Idee kam die Familie meiner Liebsten zum Osterfest einzuladen. Auf die Einladung hin kam von der Familie meiner Liebsten die Vermutung auf, dass wir unsere Verlobung bekannt geben wollten. Dem war nicht so. Aber dadurch war das Symbol wieder Präsent, oder eher die Bedeutung für diese Gesellschaft. Deshalb habe ich meine Liebste am Ostersamstag gefragt, ob sie mit mir zusammen Ringe aussuchen wolle, um dem Wort die Tat folgen zu lassen und das ganze mit einem Symbol zu besiegeln.

Ostersonntag zum Familientreffen war nur meine Familie anwesend, für meinen Geschmack mehr als genug Menschen und mehr als genug Trouble. Von unseren Plänen Ringe zu besorgen haben wir daher nichts gesagt. Erst am nächsten Werktag haben wir uns leicht nervös aufgemacht das begehrte Symbol zu besorgen und damit dem Rest der Gesellschaft unsere Absichten zu zeigen.

Die Kunde wurde rumgetragen und führte zu überwiegend positiven Rückmeldungen, leider sind nicht alle von unserem Glück überzeugt und freuen sich mit oder für uns.

Jedenfalls stellt sich einmal mehr heraus, dass in meiner Familie ein starkes Blutsband besteht, wofür ich wieder einmal sehr dankbar bin.

Ronin – Zeit zum Nachdenken

Freitag, 03. April 2009

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man von denen, den man seine Loyalität gegeben hat, einfach fallengelassen wird. Da ich seit 3 Tagen ein Ronin bin, kann ich nun drüber schreiben ohne mein Gesicht zu verlieren.

Ich wurde gekündigt, weil ich meinen Weg gehe, kein Ja-Sager bin und, weil ich waschechtes italienisches Temperament habe, welches auch beizeiten aus mir herausbricht.

Ich gehe meinen Weg. Ich bin wer ich bin, und wie ich bin. ich halte nichts von alten Konventionen, und scheue mich nicht davor neue Wege zu bestreiten. Deswegen bin ich auch einer der wenigen Fachinformatiker, welcher nicht im Anzug zum Vorstellungsgespräch kommt, schon gar nicht zur täglichen Arbeit. Warum? Ein Anzug hat aus noch niemandem einen guten Programmierer gemacht. Ebensowenig einen Manager, einen Banker oder einen Snooker-Spieler. Die Seriösität von Anzügen ist seit langem nicht mehr gegeben, man braucht sich nur mal die Nachrichten anschauen, was die seriösen Schlipsträger aus dem Geld anderer Leute machen -> heiße Luft! In der IT Branche führte das seriöse, professionelle Ansehen von Anzügen dazu, dass jeder einen Anzug trug um damit alle damit verbundenen Eigenschaften vorzutäuschen. Der Ausdruck Kompetenz-Protese kommt nicht von ungefähr. Ich jedenfalls meide diese wo immer ich kann, denn vortäuschen muss ich nichts. Beim Vorstellungsgespräch in meinem letzten Unternehmen war dies auch noch auf offene Ohren gestoßen, meine Bereitschaft für den Suit beim Kundeneinsatz vorausgesetzt, wo ich natürlich nichts gegen habe. Schwierigkeiten gab es zwischendurch, als ich beim Kunden täglich sitzen sollte, obwohl es keinen Grund dafür gab – außer dass unser Projektleiter mehr Kontrolle über mich haben könnte und hoffte, ich würde beim Kunden seine unfachlichen Argumente einfach hinnehmen und einfach Ja sagen.

Womit wir beim Ja-Sager wären. Bei der Softwareentwicklung im großen Stil müssen Entscheidungen getroffen werden und jedes Unternehmen behauptet stets im Sinne des Kunden handeln zu wollen. Leider wird dies meist als Deckmantel verwendet um eigene Ziele zu verwirklichen, und diese dem Kunden unterzuschieben – sich selbst dabei natürlich noch beweihräuchernd. Meiner Meinung nach sollten solche Entscheidungen deshalb stets nach Sachlichkeit und Fachkunde getroffen werden, wofür ich mich stets stark gemacht habe – automatisch war ich damit auf der Abschuß-Liste derjenigen, welche unter einem Mantel stecken.

Zu guter letzt mein Temperament, welches eine Schwäche meinerseits darstellt, die schnell ausgenutzt werden kann – gegen mich. So dürfte es keinem entgangen sein, dass ich deutlich werde, wenn man mich nur genug reizt. Für intrigenspiel wunderbar geeignet ist jedem Manipulator ein langer Hebel gegeben um mich negativ dastehen zu lassen.

Yare, es ist Zeit dieses Kapitel abzuschließen und inzwischen sind auch alle Formalitäten erledigt, so dass ich ein Siegel schmelzen kann.

Offen bleibt für mich:

  • Warum glaubt ein Arbeitgeber, der einem grade gekündigt hat, sich als Held in Not darzustellen, indem er Unterstützung bei der Arbeitssuche anbietet?
  • Warum hält ein Arbeitgeber das Arbeitszeugnis bis zum letzten Augeblick fest, trotz des obigen Angebots?

Vielleicht bin ich nicht genug Kind geblieben um dieses Verhalten zu verstehen!