Der Weg des Samurai ist der Tod. Wenn ein Samurai sich zwischen Leben und Tod entscheiden muss, gibt es für ihn nur die schnelle Wahl des Todes. Das ist nicht besonders schwierig. Sei entschlossen und handle. Frivole Intellektuelle behaupten, zu sterben ohne sein Ziel erreich zu haben, sei ein sinnloser Tod. Doch wenn einem Samurai nur noch die Wahl zwischen Leben oder Tod bleibt, dann ist es für ihn nicht nötig, sein Ziel zu erreichen.
Wir alle wollen leben. Und die meisten von uns passen ihr Verhalten diesem Wunsch an. Aber wenn wir unser Ziel verfehlen und weiterleben, sind wir Feiglinge. Es ist eine Gratwanderung. Zu sterben, ohne sein Ziel erreicht zu haben, ist schrecklich und zeugt von Fanatismus. Aber es ist keine Schande. Das ist der Kern vom Weg des Samurai. Wer jeden Morgen und jeden Abend sein Herz prüft und dadurch fähig wird, so zu leben, als wäre sein Körper schon tot, den macht der Weg frei. Er wird sich nie etwas zuschulden kommen lassen und wird auch in seinem Gewerbe erfolgreich sein.
– aus dem Hagakure, Kapitel 1
Der erste Absatz dieses Zitates, stellt den lernenden vor eine grausame Tatsache. Der Tatsache, dass ein Krieger in seinem Leben öfters an den Punkt kommt, wo er sich bewußt gegen den Tod, oder für den Tod entscheiden muss. Bei dieser Entscheidung gilt es lediglich zu berücksichtigen, welchen Zweck der Tod zu diesem Zeitpunkt erfüllen könnte.
Der Kodex gebietet dem Krieger sein Leben für seinen Herren hinzugeben. Erfüllt ein schneller Tod den Zweck, das Leben des Herren zu verlängern, so ist es ein guter Tod, für den sich ein Krieger nicht schämen muss. In der heutigen Zeit ist dieses nur noch für Personenschützer anwendbar, es sei denn man substituiert den Herren mit denen, welche einem am Herzen liegen. Wenn der Mann sich heroisch in den Kampf stürzt, damit seine geliebte Frau entkommen kann, so ist ein Zweck erfüllt – zumindest im Sinne des Kodex.
Was aber bedeutet es, sein Herz zu prüfen, wie es im zweiten Absatz gefordert wird? Vordergründig ist die Bereitschaft gemeint, sich bewusst für den Tod zu entscheiden, wenn dies einen Zweck hat. Hintergründig ist aber das wichtigere, den Zweck erst zu erkennen. Die meisten Menschen wollen leben, und deswegen erkennen viele den Zweck nicht, den der Tod mit sich bringen könnte. Genauer, sie bedenken ihn gar nicht. Der Krieger soll sein Herz prüfen, ob er zu sich selbst ehrlich ist. Sonst wird er keine richtige Entscheidung treffen können, vielleicht dabei sein Ziel verfehlen und es seinen Lebtag bereuen.